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PROAME Jahresbericht 1999

Liebe Freunde und Förderer von PROAME!
Im Namen von PROAME möchte ich mich wie jedes Jahr in der Adventszeit an Sie/euch wenden, um über die Arbeit des Straßenkinderprojektes zu berichten.
Nélio Schneider, der alte Präsident von PROAME, hat Anfang des Jahres einige Gemeinden und Gruppen besucht, um über die Arbeit, Schwierigkeiten und Zukunftsperspektiven zu berichten. Da er in Wuppertal ein Gastsemester absolvierte, musste er seine Besuche beschränken. Die finanziellen Schwierigkeiten von PROAME sind noch nicht ausgestanden. Darum hat sich die Arbeitsgruppe Schwerpunkte gesetzt, welche Arbeiten unbedingt fortgesetzt werden müssen. Diese Schwerpunkte sind:

Die Arbeiten finden weiterhin im "Zentrum zur Verteidigung der Rechte von Kindern und Jugendlichen" im Stadtzentrum und in den beiden Stadtvieteln São Jorge und Feitoria statt.

Schulaufgabenbetreuung

In den beiden Stadtteilen Feitoria und São Jorge wurden insgesamt 70 Kinder von zwei Hauptamtlichen - in São Jorge zusätzlich von zwei Volontären - schulisch begleitet. Besondere Aufmerksamkeit erhielten die Schülerinnen und Schüler, die sich im Erstleseprozess befanden.
Ein zweiter Schwerpunkt war, Kinder zum Lesen anzuregen. Es wurden sowohl Geschichten vorgelesen, wie auch Bücher aus der Bibliothek selbst erlesen. Mit Hilfe von Videos wurden Gesprächsanlässe geschaffen, um den sprachlichen Ausdruck zu fördern.

Musik-Workshop

An diesem Workshop nahmen 12 Kinder aus São Jorge und 28 Kinder aus Feitoria teil. Es wurden aktuelle Songs, die den Kindern gefallen, ausgewählt. Neben der musikalischen Ausbildung wird auch an der Darbietung der Songs gearbeitet.
Auch wenn es nicht Ziel dieses Workshops ist, die Kinder auf Auftritte vorzubereiten, wurden sie zu vielen, sehr unterschiedlichen Anlässen eingeladen, wie z.B. zu Gottesdiensten, zu den Stadtabgeordneten von São Leopoldo, zum Ball des Turnvereins der "Sociedade Ginástica von Novo Hamburgo", zur Eröffnung einer technischen Ausstellung...
Solche Auftritte sind wichtig, um die Arbeit von PROAME bekannter zu machen. Mit jeder Darbietung wuchs das Selbstbewusstsein der teilnehmenden Jugendlichen.

Kunsthandwerk mit wiederverwertbarem Material

An diesem Projekt nahmen 32 Jugendliche teil. Der Kurs beinhaltete 500 Stunden. Alle jugendlichen Teilnehmer erhielten eine monatliche Unterstützung von 50 Reais, ca. 40 Dollar, zur Unterstützung ihres Lebensunterhaltes.
Der Workshop war aufgeteilt in zwei Schwerpunkte. Auf der einen Seite lernten die Jugendlichen, was es heißt, ein mündiger Bürger zu sein und Verantwortlung für die Umwelt wahrzunehmen. Sie erhielten gemeinsam ein Stück Land, das sie beobachten und bearbeiten mussten.
Auf der anderen Seite lernten sie, selbst Papier herzustellen. Höhepunkt in dieser Phase war der Besuch an einigen Schulen, wo diese Jugendlichen als "Lehrer" anderen Schülerinnen und Schülern das Papierherstellen beibringen mussten.
Für die Gruppe war diese Erfahrung in Bezug auf die Wiedereingliederung in die Gesellschaft sehr wichtig und stärkte das Verantwortungs- und Selbstbewusstsein. Einige Teilnehmer sagten am Ende des Kurses:
"Jetzt haben wir gelernt, Verantwortung zu übernehmen. Einige unserer Kollegen nehmen keine Drogen mehr. Wir haben gelernt, unser Leben zu organisieren und uns für unsere Rechte einzusetzen."

Zurückführung von Kindern in ihre Familien

In diesem Projekt wurden im vergangenen Jahr 82 Kinder begleitet, die in der Gefahr lebten, sich von ihrem Elternhaus ganz zu lösen und auf der Straße zu leben. Alle Kinder, die noch im Schulalter waren, besuchten bei Kontaktaufnahme mit PROAME nicht den Unterricht.
Die Eltern erhielten 1 bis 2 Mindestgehälter von der Regierung des Bundeslandes Rio Grande do Sul, damit ihre Kinder nicht Geld für den Lebensunterhalt der Familien verdienen mussten. Die Kinder wurden in Schulen eingeschrieben - das muss man in Brasilien -, erhielten Schulmaterialien und eine schulische Begleitung. Die Mitarbeiter von PROAME kontrollierten auch den Schulbesuch. 80% dieser Kinder wurden versetzt - weit über dem Durchschnitt Brasiliens - und 97,5% haben aufgehört, auf der Straße zu arbeiten. Nur ein Junge ist auf die Straße zurückgekehrt.
Im laufenden Jahr fanden in diesem Projekt 11 Frauentreffen, 6 Familientreffen, 173 Hausbesuche, 193 Einzelgespräche und 63 Weiterleitungen an andere soziale Einrichtungen statt.

Im Namen von PROAME möchte ich mich ganz herzlich bei allen Spenderinnen und Spendern bedanken, die in diesem Jahr die Arbeit so treu begleitet und unterstützt haben. Natürlich sollte es weiterhin ein wichtiges Ziel sein, Projekte von finanzieller Unterstützung aus dem Ausland unabhängig zu machen. Die Erfahrungen zeigen aber, dass der Staat sich vor allem für die Bezahlung von Fachkräften nicht verantwortlich fühlt - und das nicht nur in Brasilien.
Darum möchte ich auch im Jahr 2000 weiterhin den Kontakt zwischen den Kontinenten aufrecht erhalten und freue mich über jeden, der mitmacht.

Eine frohes Fest wünscht Ihnen/euch

Ellen Dobberahn

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