Pfingsten

Eine Auswahl alter Pfingstbräuche

Vom griechischen Wort für fünfzig hat das Fest seinen Namen. Den Brauch, fünfzig Tage (bzw. sieben Wochen) nach dem großen Fest zu zählen, haben die Christen mit den Juden gemeinsam (vgl. Schawuot im Mai). Am 50. Tag nach Ostern wurden die Jünger mit Gottes Geist erfüllt und begannen, die frohe Botschaft weiterzuerzählen und Menschen durch die Taufe in die Gemeinde aufzunehmen.

(Quelle: Festkalender aus Wuppertal 2001)

Pfingsten ist außerdem ein Sommerfest, bei dem man auf Spiele und Sitten wie am 1. Mai stößt. Man holt den Maibaum aus dem Wald, schmückt Kirche und Haus mit Maien, und alle Feste, die im Volksbrauch wurzeln, finden im Freien statt.
Reiterspiele, Wettritte, Ringstechen, Mannstechen sind typisch für Pfingsten. Pfingstritte und Umritte waren am Pfingstsonntag fast überall bekannt. Sie sind mit der Weihe der Fluren verbunden gewesen. Man sang dabei fromme Lieder, um den Segen des Himmels auf die keimende Saat herabzubitten. Pfingstweide und Pfingstochsen bedeuten, dass man überall die Pferde und das Vieh zum ersten Mal auf die Weide oder auf die Alm getrieben hat, angeführt von einem festlich mit einer Blumenkrone geschmückten Pfingstochsen.
Tanzen ist nicht nur Ausdruck der Lebensfreude und des Vergnügens an Musik. Die alten Tänze sind fast überall Reigentänze. Dem geschlossenen Kreis der Menschen schrieb man die Kraft zu, Unheil, böse Geister, Pest und ähnliches fernzuhalten. Man tanzte um Brunnen, um ihr Wasser rein und klar, um ein Haus, um die Bewohner gesund zu halten. Man pflügte einen Kreis um die Felder, man umritt sie. Das Christentum machte daraus die Prozession, die immer im Kreis um die Kirche, ums Rathaus, um den Anger führt, nachdem es nichts geholfen hatte, die heidnischen Tänze zu verbieten.
Das ganze Mittelalter hindurch, bis zur Reformation, haben Bischöfe vergeblich versucht, zumindest das Tanzen und Singen auf dem Kirchplatz zu unterbinden.

(Quelle: Sybil Gräfin Schönfeldt, Das große Ravensburger Buch der Feste & Bräuche)