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Mai / Juni 2003

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  • 25.05.2003

    © Ev. Kirche Norf-Nievenheim
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    Darum nehmt einander an, wie Christus euch angenommen hat - zu Gottes Lob

    Iih, schau mal, wie die aussieht, was die für Klamotten anhat!" "Guck mal, die Brille von dem - wie Blitzwürfel" "Ey, kannste nicht lesen, biste zu doof, was?!" solche und ähnliche Kommentare habe ich bisher im Konfirmationsunterricht in allen Gemeinden gehört, in denen ich bisher tätig war. (Und die hier veröffentlichten sind noch die harmloseren Bemerkungen).
    Aber auch unter Erwachsenen habe ich schon öfters beim Vorübergehen einen rauen Ton zur Kenntnis genommen: "Haben Sie gesehen, wie die sich wieder benommen haben?" "Typisch, die Tauffamilien haben wieder mal nicht mitgesungen." "Kein Wunder, dass der sich so benimmt - dem ist ja auch die Frau weggelaufen."
    Sicher kennen Sie solche Aussprüche. Ich denke, niemand kann sich davon ausschließen, auch ich nicht.

    Wir treffen auf andere, nehmen sie wahr, erkennen ihre Andersartigkeit, ihre Verletzlichkeit, ihren vermeintlichen Verstoß gegen die Norm und sagen manchmal unbedacht Worte daher, die meist noch nicht einmal besonders böse gemeint sind. Worte aber, die weh tun, wenn die Betroffenen sie hören. Denn sie beinhalten ein Urteil. Wir nehmen uns das Recht, andere abzuurteilen und äußern unverblümt unsere Meinung zu dem, was in unseren Augen unpassend, nicht schicklich, gerade nicht angesagt ist.
    Wir nehmen uns aber oft nicht die Zeit, wahrzunehmen, was hinter der blöden Brille, den uncoolen Klamotten oder dem Unvermögen, etwas in einer gößeren Gruppe vorlesen zu können, eigentlich steckt. Und wir fragen auch nicht nach dem Grund für schlechtes Benehmen, für die Scheu, mitzusingen oder nach der Befindlichkeit des Verlassenen. Und so drängen wir unser Gegenüber in die Ecke und nehmen dem anderen Menschen vor uns den Raum, den er brauchen würde, um sich zu entfalten. Erst dann würden wir sie oder ihn erst richtig kennen lernen, würden seine Fähigkeiten und Begabungen nach und nach entdecken.
    Was bleibt, ist Unsicherheit und die Angst im menschlichen Miteinander. Was folgt, sind Versteckspiele, Maskeraden, die nicht unser wahres Gesicht zeigen, Rollen, die unsere Ängste überspielen. Goethe hat einmal sinngemäß formuliert: Viel Kälte herrscht unter den Menschen, weil wir nicht wagen, uns so herzlich zugeben, wie wir doch sind.
    Paulus macht uns Mut, unsere Rollen fallen zu lassen. Denn: Einander annehmen wie Jesus uns angenommen hat, das heißt, vorurteilsfrei auf andere zuzugehen und sie so sein zu lassen wie sie sind.
    Und das tut gut, denn es verhilft zu einem menschlicheren Umgang miteinander und zu freundlicheren Begegnungen. Menschen wagen, sich zu öffnen und einander nah zu kommen. Und da, wo Menschen zu sich selbst und zueinander finden, da herrscht Frieden. Und wo Friede herrscht, da ist auch immer Gott dabei.