Vergebung der Sünden
Zentrale Bedeutung für uns Christen
Für viele Zeitgenossen gehört das Wort "Sünde" in die Mottenkiste einer längst vergangenen Zeit, in der die Kirche sich zur Hüterin von Moral, Sitte und Anstand ernannte und die Menschen mit dem drohenden Fegefeuer und der höllischen Pein in Angst und Schrecken versetzte und - nur nebenbei bemerkt - kräftig daran verdiente. "Das Geschäft mit der Sünde" fand eben nicht nur auf der von den Moralaposteln sogenannten "Sündenmeile", sondern auch im Beichtstuhl statt, da, wo für Vergebung bares Geld zu zahlen war. In beiden Fällen herrschte der gleiche Irrtum, der in der Meinung bestand, Liebe mit Geld kaufen zu können, sei es die Liebe einer Frau oder Gottes Liebe und Vergebung.
Aber was ist "Sünde"? Ist sie moralische Verfehlung, sexuelle Perversion, Ehebruch, Diebstahl, Lüge, Mord, Gewalttätigkeit oder üble Nachrede, Naschen, das Nicht-Befolgen elterlicher Anweisungen?
Eine solche Sicht greift zu kurz. "Sünde", das ist die Beschreibung eines Zustands, in dem wir leben und den wir aus eigener Kraft nicht ändern können. Dieser Zustand ist dadurch gekennzeichnet, dass wir darauf pochen, die Herren unseres Lebens zu sein, dass wir selbst zu wissen meinen, was gut für uns ist, dass wir uns nichts sagen lassen wollen und in maßloser Selbstüberschätzung diese Welt nach eigenen Maßstäben gestalten, andere Menschen zu unserem Vorteil ausnutzen und gebrauchen.
Sünde ist Gottlosigkeit und Gottesferne, auch wenn sie sich ein religiöses Mäntelchen umhängt. Dieser Zustand hat Verhaltensweisen zur Folge, die wir als sündhaft ansehen, weil diejenigen, die sie vollziehen, sich entweder im erklärten Widerspruch gegen Gottes Willen oder in der Gleichgültigkeit ihm gegenüber befinden.
"Vergebung der Sünden" meint daher die Befreiung zu einer neuen Existenz, die im Einklang mit Gott steht. Vergebung brauche ich jeden Tag neu. Was für mich gilt, das gilt genauso für meine Mitmenschen und für mein Verhältnis zu ihnen. Darum gehört die fünfte Bitte des Vaterunsers mit in diesen Zusammenhang: "Vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern."
Im dritten Artikel des Glaubensbekenntnisses bekenne ich mich dazu, dass Gott mir meine Sünden vergibt und mich mit offenen Armen empfängt, wenn ich zu ihm zurückkehre.
Ich bekenne mich dazu, dass ich auch die Vergebung meiner Mitmenschen brauche, an denen ich schuldig geworden bin und dass ich ihnen meine Vergebung nicht vorenthalten will.
Was es mich kostet, um Vergebung zu bitten oder sie zu gewähren...?
Auf jeden Fall kein Geld, aber viel Überwindung, viel guten Willen und den festen Glauben, dass das Vergebene für immer vergeben und das Alte für immer vergangen ist.
Ein anderer hat dafür bezahlt... nicht mit Geld, aber mit seinem Leben.



