Ev. Kirchengemeinde Norf-Nievenheim

Gemeindebrief "brücken bauen"

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September / Oktober 2003

Titelthema
Serie: Glaubensbekenntnis
Presbyterwahl 2004
Projekte in Mosambik
Nacht Matthes
Serie: Kirchenlieder
In letzter Minute...
Für junge Leute
Ich wasche mich nicht Kirchentag
Nacht der Sinne
Chorausflug
Gemeindeausflug
Türgriffe für Friedenskirche
Gerechter Handel

Rückblicke zum Ökumenischen Kirchentag in Berlin

Danke Berlin!

Am 28. Mai machten sich ca. 50 Gemeindemitglieder der evangelischen Gemeinde Norf-Nievenheim und der katholischen Gemeinden Norf, Nievenheim und Rosellen auf den Weg nach Berlin. Vier erlebnisreiche und anstrengende Tage lagen vor uns.
Jede und jeder hat sie auf seine ganz persönliche Art und Weise erlebt.
Ich persönlich habe in den kleinen Begegnungen mit Menschen, die vielleicht den Weg zur Kirche wieder finden wollten oder aber schon lange gefunden haben, viel auch für meine Wahrnehmung zur Kirche neu entdeckt. Ein modernes Oratorium in der Gedächtniskirche hat mich besonders beeindruckt. Es zeigte uns den Weg hin zu Gott mit all seinen Neben- und Irrwegen; eben sehr menschlich. Die Berliner in ihrer Art waren liebenswerte Gastgeber, die diesen Kirchentag zu etwas besonderem werden ließen.
Danke Berlin!

Helga Ginzel


Eindrucksvolle Bibelarbeiten

Der ökumenische Kirchentag - war er denn grundsätzlich anderes?
Ja - es gab Gespräche mit Menschen der anderen Konfession, aber kaum Differenzen. Die Basis versteht sich gut und arbeitet auch schon längst auf vielen Gebieten zusammen.
Nein - wahrscheinlich suchte jede(r) die Veranstaltungen der eigenen Glaubensgemeinschaft aus dem Riesenangebot aus.
Für mich waren die Bibelarbeiten am eindrucksvollsten. Am Donnerstag sprach Margot Käßmann, die evangelische Bischöfin, mitreißend in gar nicht pastoralen Worten: "... Wahrheit gehört zur Grundlage einer freien Gesellschaft ... Man muss die Wahrheit auf den Tisch bringen und dann den Menschen helfen über den Schock zu kommen ... Der Friedenswille der Christen ist ein Störfaktor..." sind Sätze, die hängen geblieben sind.
Am Freitagmorgen beeindruckte Jörg Zink mit der Auslegung von Jakobs Kampf, der Geschichte einer Erfahrung mit Gott (1. Mose 32, 23 - 33): Alles Dunkle aus seiner Vergangenheit sprang ihn an, er entzieht sich seinem Schatten nicht und geht verändert, geläutert, gebrochen und doch aufrecht daraus hervor. Nachdem er sich selbst gestellt hat, kann er sich auch seinem Bruder stellen.
In der großen Menschenmenge , die vor der Deutschlandhalle auf Einlass wartete, traf ich übrigens Horst und Hannelore Müsse, die irgwendwann neben mir standen - ja sowas gibt es auf Kirchentagen.

Lilo Puchelt


Kreative Symbolik

Soviel kreative Energie hätte ich den katholischen und evangelischen Oberhirtinnen und Oberhirten nicht zu getraut: Einem gemeinsamen Abendmahl (das ja nicht vom Papst sondern von Jesus selbst eingesetzt worden war) hatte die höchste katholische Instanz einen Riegel vorgeschoben und mit konkreten Strafen bei Zuwiderhandlung belegt. Daraufhin wurde eine vorherige Stufe der Gemeinsamkeiten, das gemeinsame Taufwasser, zur symbolischen Einheit der Christen wieder entdeckt: Beim Abschluss-Gottesdienst wurde Wasser aus einem großen gläsernen Taufbecken, in Tonkrügen an die versammelten Christen ausgeteilt. Sie zeichneten sich mit Wasser und mit den Worten "Du sollst ein Segen sein." gegenseitig ein Kreuz auf die Stirn. Auch Bischof Karl Lehmann und Präses Manfred Kock gaben sich dieses Zeichen der Geschwisterlichkeit. Welche eine Symbolik, die sich für weitere ökumenische Veranstaltungen im Land nutzen lässt. Nur Mut.

Manfred Puchelt


Begeistert vom Oratorium

Die Empfehlung, unbedingt das Oratorium "Adam" zu besuchen, haben wir wahr gemacht. Und es hat sich gelohnt. Gregor Linßen aus Neuss hat das Oratorium komponiert und möchte es als "Gebet" verstanden wissen.
Am 29. Mai fand die Aufführung auf dem Messegelände in Berlin statt. Dieses Gebet wurde gestaltet von 150 Chorsängerinnen, einigen Solisten, 2 Tänzern und 14 Instrumenten. Zwischen den Liedern, die wunderschöne Texte haben, fand ein beeindruckender Dialog zwischen einem Vater und dessen Freund, der Priester ist, statt. Der Vater versucht zu verstehen, warum sein Sohn im Streit von ihm weggegangen ist. Er hatte verboten, dass sein Sohn Tänzer wird. Er hofft, von seinem Freund Antworten zu bekommen. Die Suche nach den Hintergründen führt schnell zur gedanklichen Suche nach dem Menschen selbst. Nicht nur wir, sondern auch die anderen Zuhörer waren spürbar begeistert und wir feierten die Akteure mit anhaltendem Applaus.

Karin Otten
Hugo Albrech


Was ich auf dem Kirchentag für mich gefunden habe:

Das was ich suchte, brauchte, das fand ich!
Egal ob evangelisch, katholisch, halt ökumenisch, so wie die Liebe Gottes ist.

Ein Kirchentag des Segens!

Ich danke dir Gott und Göttin, die Ihr eins seid und in uns seid, dafür. Amen.

Cl. Möllmann


"Jesus war ein toller Typ,
denn er hatte alle lieb,
aus Wasser machte er ja Wein,
wer möchte nicht sein Kumpel sein?
Aus einem Brot macht er gleich zwei,
da ist für jeden eins dabei."

so klang es uns am dritten Tag abends in einer der vielen Berliner U-bahnen aus dem Munde eines leicht angeheiterten Mannes entgegen, der offensichtlich mit den vielen orangefarbenen Schals nicht so recht etwas anfangen konnte. Und überhaupt: sprach aus ihm nicht ein Teil der Seele deutscher Geschichte? Sehr treffend war dieser Eindruck in einer Berliner Zeitung formuliert: "Wie kommt Gott in die Stadt der Heiden?" Ja, 40 Jahre DDR, die sind nun mal da, ob man es gern hat, oder nicht! Und weiter ist sicher der in dieser Zeitung formulierte Eindruck richtig, dass die meisten Berliner mit den Kirchentagsbesuchern wenig anfangen konnten. Irgendwie waren sie für sie wie Bewohner eines anderen Sterns. Es fehlte halt die Übung, ja, der Umgang mit gewachsener christlicher Kultur. Und doch: im Lied des angetrunkenen Mannes war nicht etwa Agression zu spüren. Nein, es war eher Neugier, so nach dem Motto: "Warum machen die das? Was haben die davon?"
Tja, und dann war da noch das Abschiedsessen mit unserer Gastgeberin und ihrem Lebenspartner. Da erschien er dann, der "Störende", Hausmeister seines Zeichens, tätowiert an allen sichtbaren Stellen, mit Nasen- und Ohrenringen- ganz das, was Vorurteile bestätigt. "Am Schal erkannt", mischte er sich in unsere friedlich christliche Diskussion. Und er erzählte ungefragt, was er so alles getan hatte: Mahnwachen zur Zeit der Mauer, Kirchenasyl zur Zeit des Mauerfalls... alles sehr einfach formuliert, gar nicht intellektuell. Ja, da waren wir - trotz der unangenehmen Berührtheit, die wir verspürten - beschämt. Was hatten wir dagegen aufzuweisen? An diesem Beispiel wurde uns wieder einmal deutlich, dass Christentum doch gerade auch von dieser Basis lebt. "Ein Leib, viele Glieder": das sollte einem täglich bewusst sein.
Summa summarum: noch nie haben wir bei so vielen Menschen unterschiedlicher Hautfarben und Kulturen so viel Freude und Toleranz selbst in Stresssituationen erlebt. Und so Gott will und wir leben: wir werden den nächsten Kirchentag gerne wieder mitmachen.

Sigrid Becker
Ralf-Peter Becker