Ev. Kirchengemeinde Norf-Nievenheim

Gemeindebrief "brücken bauen"

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September / Oktober 2003

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Nacht der Sinne am 15. Februar

Texte, überwiegend aus der Bibel, begleitet und ideal ergänzt von hochwertigem Solo- und Chorgesang, aufgelockert durch gut gewählte und wunderbar intonierte orchestrale Musikpassagen, mit einer Tanzdarbietung, forderten und füllten die Sinne, insbesondere das Hören, gleichzeitig gebieterisch, verführerisch und himmlisch angenehm. Ein großes Lob allen aktiv Beteiligten!

Das Gehör bildet neben dem Geschmack (der in der "Nacht der Sinne" ebenfalls angenehm bedient wurde) einen der ältesten unserer Sinne, den wir bereits im Mutterleib entwickeln. Neugeborene erkennen die Stimmen ihrer Mütter. Töne und Stimmen besitzen eine ältere und vielleicht wichtigere Bedeutung für unseren Geist als das Sehen, auch wenn das Sehen unser Gehirn spätestens seit der Entwicklung der Schrift viel stärker in Anspruch nimmt.
Hier gibt es auffällige Parallelen zur Schöpfungsgeschichte der Bibel: Gottes Stimme erschafft die Welt. Es ist die Welt in der Form, in der wir sie mit unseren Sinnen erleben.
Gott spricht, und es wird.
Erst danach sieht Gott, dass das Geschaffene gut ist.
Die Nacht der Sinne entführte uns erst einmal in jene uralten Zeiten, in denen Menschen noch wie selbstverständlich die Stimme Gottes vernahmen, vielleicht so, wie wir heute die Stimmen unserer Mitmenschen hören. Diese besondere Art der Hirnaktivität war wohl eine Vorstufe der Selbsterkenntnis und des Bewusstseins, das trotz größter Anstrengungen bis heute nicht erforscht werden konnte. Mit dem Apfel vom Baum der Erkenntnis und der Vertreibung aus dem Paradies entstanden Menschen mit Verhaltensweisen, wie wir sie heute kennen und erleben. Wir hören die Stimme Gottes nicht mehr in der Weise, die aus dem Paradies überliefert ist. - Die Propheten vernahmen die Stimme Gottes, während viele Menschen dafür bereits taub waren.

Der Bogen nächtlicher Lesungen spannte sich von der Genesis über das l. Buch der Könige, verweilte bei Hiob und Daniel, gelangte über den Propheten Jesaja bis hin zum Neuen Testament. Die Auswahl verkündete uralte Überlieferungen der Stimme Gottes wie den Beginn und die nachfolgende allmähliche Dominanz von Menschen, die bewusst und reflektierend vor sich selbst und im Vertrauen auf die Gnade Gottes Rechenschaft über sich ablegen. Was bei Hiob seinen Anfang nahm, setzen wir bis heute im Glauben fort.
Möge diese Nacht lange in uns nachklingen und nachwirken!

Hans-Georg Hartwig

Der musikalische Mitschnitt ist auf CD zum Preis von 7,- EUR in den Weltläden und im Kantorat erhältlich.